There is no such thing as a problem without a gift for you in its hands. You seek problems because you need their gifts.

(Illusions – The adventures of a reluctant Messiah, Richard Bach)

Das war der Ironman Emilia Romagna. Das war das Rennen von Caroline Fey und Moritz Beker. Nicht selten sagt man, dass Ironman ein Spiegel des wahren Lebens ist. Es geht auf und es geht ab. Dann geht es wieder auf. Dann wieder ab. Wir alle müssen in unserem Leben lernen mit Niederlagen umzugehen. „Niederlagen“ – Ist es nicht genau dieser Begriff, der so niederschmetternd ist? Was ist eigentlich eine Niederlage?

 

Ich denke, Caro könnte nach all dem Training, der akribischen Vorbereitung, dem Jonglieren von Referendariat plus Unterrichtsbesuchen plus Privatleben plus Trainingseinheiten denken, sie hätte eine Niederlage erlitten als ihr Rennen bei Radkilometer 100 aufgrund von Übelkeit, Erbrechen und Schüttelfrost frühzeitig beendet war.

 

 

Aber, was wäre, wenn man lernt die Dinge anders zu sehen? Was wäre, wenn man genau hinschaut und all das positive aufsammelt und in seiner Gesamtheit betrachtet. Die vielen Trainingseinheiten, die einem eine hervorragende Fitness und ein tolles Körpergefühl verschafft haben. Das gute Gefühl nach den besonders harten und/oder langen Einheiten. Die vielen schönen Momente die man draußen in der Natur beim Schwimmen, Radeln und Laufen erleben darf. Familie und Freunde, die Familie und Freunde bleiben, erst Recht in solch einer Situation. Wie wertvoll ist die Erfahrung, dass man nicht aufgrund seiner Leistung geliebt und respektiert wird sondern als Mensch und das umso mehr, wenn man es wirklich braucht? Eine vermeintliche Niederlage kann einem so viel positives schenken: Zuspruch und Unterstützung, aufmunternde Worte und andere Liebenswürdigkeiten. Und die sind wichtiger als jedes Rennergebnis. Tausendfach. Dennoch, ein bisschen Wut und Frust darf sein und ist nicht selten ein kleiner Bonus für das nächste Rennen.

Triathlon ist zum Einen sehr kontrollierbar – zum Anderen wird er beeinflusst durch so viele unkontrollierbare Faktoren. Das macht diesen Sport so spannend. Man wächst an den Erfahrungen die man sammelt und lernt nie aus. Nie. In fast jedem Rennen gibt es etwas dazu zu lernen, neue Situationen vor, während und nach dem Wettkampf. Sei es die Erkenntnis, dass das Material nicht richtig sitzt, einem beim ersten Schlagloch schon die Aeroflasche aus dem Lenker springt (gell, Mo ? ) oder sei es ein Rückblick auf die Tage um das Rennen. Könnte man das nächste Mal dafür sorgen entspannter an den Start zu gehen? In Caro’s Fall vielleicht eher einen Wettkampf heraussuchen der als jetzige Lehrerin in die Schulferienzeit fällt um möglichst entspannt anzureisen, sich vor Ort zu akklimatisieren und den Körper nach einer langen Anreise zur Ruhe kommen zu lassen. Wie schaut es zudem mit der Ernährung rund um das Rennen aus? Ich selbst habe immer eine Portion Haferflocken im Gepäck ? und versuche Unterkünfte zu finden, die es mir ermöglichen mein eigenes Essen zuzubereiten.

Aber auch dann lässt sich nicht alles zu 100% kontrollieren.

So ging es dann am Raceday nicht nur Caro ziemlich dreckig beim Ironman Emilia Romagna, auch andere Elite- sowie Altersklassen Athleten mussten aufgrund ähnlicher Symptome (Übelkeit und Schüttelfrost) aussteigen oder wirklich richtig richtig leiden (die Geräusche die da aus den Dixies kamen waren teilweise fast beängstigend). Die Erkenntnis, dass es einfach nicht weiter geht ist hart. Aber ein Ironmanrennen ist lang und anstrengend und wenn es nicht mehr weiter geht, geht es nicht mehr weiter. Punkt. Letztendlich ist es schlauer und gesünder auf die Signale des Körpers zu hören. Der einhergehende Energie-, Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch mehrfaches Erbrechen ist so oder so ein ziemlich sicheres Aus. Für jeden Athleten.

Ich wünsche mir für Caro, dass sie das Bigger Picture bald wieder sehen kann und das beinhaltet noch so viele Ironman/Triathlon Wettkämpfe! Es geht immer weiter. IMMER.

 

Für Moritz Beker lief der Tag ein ganzes Stück weit besser. Bei seiner jetzt dritten Langdistanz verbesserte er seine Ironmanzeit von 2016 (Challenge Roth) von 10:18:47 auf 10:02:40 Stunden. Ganze 16:07 Minuten, trotz der Tatsache, dass die Radstrecke (185km) sowie Wechselzonen (850m) in Italien Überlänge hatten. In Roth noch unter den ersten 17% gefinisht, war sein Gesamtergebnisse der Altersklasse 40-44 beim IM Emilia Romagna am 23.9. in den ersten 10% zu finden. Ich habe wirklich selten einen derart konstant ge-pacten Rennverlauf gesehen. Chapeau lieber Moritz.

Swim 00:59:41h,

Bike 05:17:51,

Run 03:34:25,

Overall 10:02:40 = Platz 40 von 400 Starten der AK 40-44

MASSIVE CONGRATULATIONS MO ZU EINEM WIRKLICH FANTASTISCHEN RENNERGEBNIS!

 

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